Ach, übrigens …

„Ach, übrigens“, sagst du so ganz nebenbei, „übrigens geht morgen die Welt unter. Ich wollte es nur gesagt haben, falls du es noch nicht mitbekommen hast. Naja, ist nicht zu ändern.“

Morgen also. Morgen geht die Welt unter. Mit all ihren Schätzen. Mit allem was mir lieb ist. All das, was ich gehegt und gepflegt habe. All das, was mir ans Herz gewachsen ist. Dir scheint es nichts auszumachen. So beiläufig, wie du es erwähnst. Aber mir, mir macht es was aus. Ziemlich viel sogar.

Da hat keine öffentliche Stelle vorher noch mal mit uns gesprochen. Keiner ist auf uns zugekommen, hat sich angeschaut, was wir alles verlieren würden. Keiner hatte den Arsch in der Hose und hat es uns ins Gesicht gesagt.

Wut steigt in mir auf. Wut ist gut, denke ich. Mit Wut kann man noch arbeiten, kann retten, was nicht mehr zu retten ist. Kann zerstören, was ohnehin zerstört wird. Doch da ist die Wut schon weg. Sie macht einer Traurigkeit Platz, die nicht auszuhalten ist. Denn langsam begreife ich, was ich alles verlieren werde. Die Traurigkeit treibt Tränen in meine Augen. Ströme von Tränen laufen, laufen über mein Gesicht, füllen Fässer, die nun keine Regenfässer mehr sind, sondern Tränenfässer. Bitteres Salzwasser, das den Garten flutet. Diesen Garten, diese Oase, dieses kleine Paradies mitten in der Stadt, das ein Teil meines Lebens geworden ist.

„Übrigens“, sagst du, „es ist doch kein Weltuntergang. Es ist doch nur dieser Garten hier, der weggebaggert wird.“

„Eben“, sage ich. „Eben.“

iGel

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